16.08. bis 26.08.2009
Drachselsried im Bayerischen Wald 
Vom 16. bis 26.08.2009 haben wir unseren Motorradurlaub in Drachselsried verbracht. Drachselsried liegt im Zellertal am Fuß des Heugstatt etwa 16 km westlich von Viechtach, 8 km nordwestlich von Bodenmais sowie jeweils 22 km von Zwiesel und der Kreisstadt Regen entfernt. Von hier aus können Motorrad-Touren durch den Bayerischen Wald und das nahegelegene Tschechien unternommen werden.. Touren zum Moldaustausee, nach Krumau oder ins Dreiländereck bieten ein kurvenreiches Erlebnis, das jeden Biker zum schwärmen bringt. Um von Essen aus nach Drachselried zu gelangen, mussten etwa 650 Kilometer bewältigt werden. Daher sind wir auch in diesem Jahr mit dem Auto und den BMW´s auf dem Motorradanhänger angereist.

Ein schönes Quartier hatten wir beim Köpplwirt gefunden. Dort haben wir ein Standard-Doppelzimmer mit Dusche, WC, TV, und Balkon gebucht. Inklusive Halbpension waren 28 Euro pro Nacht und Nase fällig. Und für diese 28 Euro wurden wir rundherum hervorragend versorgt. Den Köpplwirt können wir uneingeschränkt weiterempfehlen. Das Zimmer, Frühstücksbuffet und das regionale Essen nach Karte waren ausgezeichnet. Wir haben uns in der Tat sauwohl gefühlt. Hier der Link zu unserer Pension:
Sonntag, 16.08.2009



Das Essen mit Vorsuppe und Nachtisch war schon mal ein Gedicht. Auch das helle Bier der Falter-Brauerei aus Drachselsried hat uns hervorragend geschmeckt. "Müde und satt - wie schön is datt....?" Wir waren daher schon recht früh im Bett und haben den Schlaf des Gerechten geschlafen.
Montag, 17.08.2009
Leerlauf rein, Seitenständer eingeklappt, im Navi tauchten die ersten vielversprechenden Kurven auf. Doch beim Betätigen des grünen "Tauch-in-eine-schönere-Welt-Schalters" meldete sich der Anlasser ungewohnt zaghaft. Wenig später wechselte dieses Geräusch in ein unangenehmes Rattern des Anlasserritzels. Ein Blick auf die digitale Borduhr der RT, die morgens um kurz vor 9 Uhr die Uhrzeit 00:01 anzeigte, verriet, da hatte die Batterie die weiße Fahne geschwenkt und war in den Streik getreten. Na klasse!
Ein paar hastig geführte Telefonate mit den einschlägigen Motorradschraubern der Umgebung brachten keinen Erfolg. Überall hatte man reichlich zu tun, das Personal hatte sich krank gemeldet oder man hatte einfach keine Lust einem Preußen auf Besuch im Freistaat aus der Patsche zu helfen.
Bei BMW Schißlbauer (die heißen tatsächlich so....) in Schwandorf konnte man mir wenigstens ein Original BMW-Ladegerät für den Schnäppchenpreis von 100 Teuronen zurücklegen. Die 150 Kilometer für die Hin- und Rückfahrt wurden gerne in Kauf genommen. Durch das Küchenfenster des Seniorchefs wurde die 1100er dann am Mittag mit dem elektrischen Lebenselixier verbunden. So ein kompletter Ladevorgang dauert etwa 24 Stunden. An Motorrad fahren war an diesem Montag also nicht mehr zu denken. Das fing ja gut an....

Am frühen Nachmittag sind wir mit der "Dose" nach Bodenmais. Dort war es ziemlich rummelig. Angie hat auf den Ärger von heute Morgen ein leckeres Spaghetti-Eis ausgegeben. Denn auch sie hatte bemerkt, wie ich mir bei jedem vorbeifahrenden Motorrad ein Tränchen verdrücken musste. Wir haben dann noch ein paar lebenswichtige Grundnahrungsmittel (Weltenburger Kloster-Bier) eingekauft und sind dann zurück zur Pension. Das Abendessen beim Köpplwirt war mal wieder erste Sahne. Ich hatte ein Rahmschnitzel mit Schwammerln und hausgemachten Spätzle und Angie liess sich ein Ungarisches Gullasch schmecken. Den Rest des Abends haben wir kniffelnder Weise auf unserem Balkon verbracht und wir haben schon mal was von dem leckeren Weltenburger Märzen verkostet.

In der Nacht gab es dann ein ziemlich heftiges Wärmegewitter mit Windböen und heftigen Niederschlägen. Und meine RT stand ungeschützt und dem Unwetter ausgeliefert, einsam unter dem Küchenfenster des Seniorchefs um mit elektrischer Energie versorgt zu werden. Ob das gut gehen würde?
Dienstag, 18.08.2009
Okay, erst einmal frühstücken. Die Vorbereitungen für unsere Ausfahrt waren schnell getroffen. Und dann noch der, mit Spannung erwartete, Druck auf den grünen Startknopf....... Der Sound eine Zweizylinder-Boxers kann wohlklingender als Vivaldis "Vier Jahreszeiten", gespielt durch das Berliner Symphonieorchester unter der Leitung von Herbert von Karajan sein. Um die Batterie endgültig fit für die nächsten Startvorgänge zu machen, habe ich erst einmal solo eine kleine Runde durch Drachselsried gedreht. Motorrad fahren kann so schön sein....
Zurück in Unterried, wo ich meine mittlerweile selbst fahrende Ex-Sozia einsammeln wollte, traf ich eine einigermaßen frustierte Angie am Straßenrand an. Sie berichtete mir davon, dass ihre F 650 GS aus der Kreativwerkstatt der Bayerischen Motorenwerke einfach nicht anspringen wollte. Der Bayerische Wald scheint ein schlechtes Pflaster für Motorräder der Marke BMW zu sein. Oder hatte die Schweinegrippe-Influenca unsere Motorräder infiziert? Meine Laune ging schlagartig auf Stufe - 10 auf der nach unten offenen Richterskala.
Also habe ich mit Unterstützung eines weiteren Pensionsgastes die kleine GS mit Angie obenauf durch die Gegend geschoben, um die Fuhre in Gang zu bringen. Bis wir dann irgendwann den 650er Einzylinder in Gang gebracht hatten, war ich völlig außer Atem, der Schweiß lief an mir herunter, ich war am Ende meiner Kräfte und stand kurz vor einem Kreislaufkollaps. Doch Hauptsache war, dass Angies Moped nun auch endlich lief.
Zum Dank wurde ich im Anschluss als übergewichtiger, bewegungsunfähiger Altbiker bezeichnet, der nun endlich einmal anfangen sollte etwas für eine gesündere Lebensführung zu tun. Nun ja, jeder bekommt wohl das, was er verdient. Und ich muss in einem früheren Leben wohl eine Menge krummer Dinger gedreht haben, dass mir diese Lebensgefährtin zugemutet wurde.

Nachdem wir unsere fahrbahren Untersätze nun doch wiederbeleben konnten, haben wir uns auf eine erste Runde durch den Bayerischen Wald gemacht.



Mittwoch, 19.08.2009

Für den heutigen Tag hatten wir uns den Oberpfälzer Wald ausgeguckt. Über MapSource hatte ich bereits von zu Hause aus eine schöne Tour über kleine kurvige Straßen geplant. Doch was nutzt die beste Planung, wenn die umliegenden Straßenbaubehörden das Geld aus dem Konjunkturpaket mit vollen Händen über Straßensanierungsprojekte verteilen. So jagte eine Umleitung die andere. Und abgestimmt waren die Baustellen nicht gerade aufeinander. So kam es dann auch schon mal vor, dass die Umleitungsstrecke wegen Reparaturbedarf abgesperrt wurde. Und so ist es dann auch nicht verwunderlich, wenn auch mein treues GARMIN zumo an diesem Tag ins Schwitzen kam. Wir sind daher so manche Ehrenrunde gefahren, die uns aber auch durch wundervolle Landschaften geführt haben.

Am besten hat uns der Streckenabschnitt von Waldmünchen nach Waldhaus gefallen. Die Kurven schienen eigens auf unsere BMW´s zugeschnitten zu sein. Dort konnte man bei geringem Verkehrsaufkommen lustvoll durch die Rechts-Links-Kombinationen wedeln. Fehlten eigentlich nur noch die Slalomstangen auf unserer 260 Kilometer langen Tagesetappe.

Donnerstag, 20.08.2009

Bekanntlich ist aber bereits der Weg das Ziel. Und dieser Weg fährte uns durch tolle Landschaften und ländlich geprägte Ansiedlungen. Beim flotten Fahrtwind war von der Hitze des Tages nicht viel zu spüren. Erst unmittelbar vor den Toren Passaus, als wir auf der Schanzlbrücke vor der roten Ampel warten mussten, wurde uns bewusst, mit welcher Kraft die Sonne heute auf uns hinab strahlte.

Passau ist wahrlich eine Perle unter den süddeutschen Städten. Schmucke Gassen und Plätze, barocke Fassaden und stolze Kirchenbauten strahlen ein ganz besonderes Flair aus. Das Bayerische Venedig ist wirklich eine Reise wert.



Zurück ging es wieder durch dunkle und vor allem kühle Wälder und hübsche Dörfer. Auch die Burgruine Weißenstein lag noch auf unserem Weg. Die Burgruine aus dem 12. Jahrhundert leuchtet mit ihrem weßen Gemäuer schon von weitem über die Ebene.

Freitag, 21.08.2009

Der größte Teil Tschechiens zählt zu Böhmen. Jede Ecke der Region bietet überwältigende Naturkulissen und einzigartige Kulturschätze. So sind böhmische Wälder, böhmische Madonnen und und böhmische Knödel anerkannte Markenzeichen der Region geworden. Wir durften auf unserer Reise aber auch die sprichwörtlich hinterwäldlerischen böhmischen Dörfer kennen lernen. Viele Häuser waren hier verlassen und vom Verfall betroffen. Aber es gab auch einige villenartige prächtige Neubauten zu bewundern. Der Unterschied zwischen arm und reich bei unserem tschechischen Nachbarn war augenscheinlich.

Nachdem die BMW´s einmal in die grüne Hölle der böhmischen Wälder eingetaucht waren, durften wir recht schnell die Erfahrung machen, dass sich einwandfreie neue, meist mit Mitteln der EU subventionierte, Streckenabschnitte mit Wegstrecken abwechselten, die die Bezeichnung Straße seit Jahrzehnten nicht mehr wirklich verdienten.
Mein GARMIN zumo habe ich so eingestellt, dass unbefestigte Straßen vermieden werden. Schließlich fahre ich eine RT und keine GS. Doch kleine, wenig befahrene Straßen wählen wir für unsere Ausflüge schon gerne. Denn diese eröffnen häufig einen Blick hinter die Kulisse und verraten deutlich mehr, als wenn man nur die größeren Umgehungs- oder Hauptstraßen nutzt.

Eine dieser kleinen Straßen befuhren wir dann auch zwischen den Nestern Kundratice und Zaluzice, die augenscheinlich in eine Art Dornröschenschlaf gefallen waren. Und die Straße war ein Spiegelbild dieser Ortschaften. Anfangs war der Straßenbelag einfach nur schlecht, dann mehrten sich die Schlaglöcher und zum Schluss fehlte der Straßenbelag völlig. Das, was von der Piste übrig geblieben war, ähnelte eher einem ausgetrockneten Bachbett und endete dann irgendwo im Wald an einem "Durchfahrt verboten - Schild".

Dies war dann eine der eher seltenen Gelegenheiten, zu denen Angie mir ihre F 650 GS freiwillig überlassen hat. Ich durfte die kleine handliche Enduro bis zu einer einigermaßen passierbaren Stelle an den Rand der Zivilisation zurückfahren. Die schwere RT mitten im Wald zu wenden und zurück auf sicheren Boden zu bringen, war dann schon ein größeres Kunststück.

In Reystein haben wir uns von den Strapazen unseres Geländeausrittes erholt und uns in einem Lokal am Straßenrand eine tschechische Cola gegönnt. Gottlob verstand die Bedienung meine Gebärdensprache. Sonst hätte der Durst uns dahingerafft. Für zwei 0,4-Liter-Gläser mussten wir 30 Tschechische Kronen zahlen, was einem Gegenwert von 1,20 Euro entspricht.
Über Horni Vitavice und Rasnice ging es zurück nach Deutschland. Unsere Fahrt führte uns durch den Nationalpark Bayerischer Wald. Nach 278 Kilometern kamen wir voller neuer Eindrücke im Gepäck in Unterried an.
Samstag, 22.08.2009
Regensburg, das ist Stein gewordene Geschichte. Die 2000 Jahre alte Hauptstadt der Oberpfalz, ist so geschichtsträchtig wie kaum eine andere deutsche Stadt.










Sonntag, 23.08.2009

In Horni Plana haben wir eine kurze Pause eingelegt und uns ein bisschen was von dem Ort angesehen.

Doch dann zog es uns recht schnell weiter in Richtung Krumau. Eine bildschöne Stadt, die sich aus einer anderen Epoche in die Gegenwart gerettet hat.





Im Schlossareal mit ca. 300 Zimmern, fünf Höfen, einem Theater und weitläufigem Park werden Kunst- und Handwerksgegenstände gezeigt.




Rechtzeitig zum Hirschbraten mit Preisselbeeren, Nudeln und einem schmackhaften Salatteller, trafen wir beim Köpplwirt ein. Bereits um 21:30 Uhr habe ich die Äuglein zugemacht und bin in einen tiefen Schlaf gesunken. Solche erlebnisreichen Motorradausflüge können schon ermüdend sein. Gut, dass ich an diesem Abend nicht mehr zur Schwarzmeerküste fahren musste. Die 334 Kilometer heute waren doch völlig ausreichend.
